Alte Gerichtbarkeiten

Die Grafen von Diez, als Landesherrn im Bereich um Höhn, hatten im oberen Westerwald und damit im Norden des Niederlahngaus schon früh ein Landgericht "auf den Stühlen" bei Winnen eingerichtet.

Der Gerichtsbezirk um Höhn wird schon 1114 als "provincia Hana" genannt. In den erhaltenen Aufzeichnungen wird zumeist die Bezeichnung Gericht oder Landgericht gebraucht. Es kommt jedoch auch vor, dass von der Zehnt Höhn ( 1376, 1391) und 1444, von der Zehnt Rennerod oder vom Kirchspiel Höhn ( 1482) und 1525 gesprochen wird.

Das Gericht war 1470 mit einem Zehntgrafen besetzt, zeitweise waren es sogar zwei, wovon einer für Nassau und der andere für Kurtrier und Hessen zuständig war. 1517 und 1520 werden sieben Gerichtsschöffen genannt. Der 1525 als "Schreier" erwähnte Gerichtsbote erhielt von jedem Haus für seine Tätigkeit ein Brot oder 3 Pfennige.

Zum Gerichtsbezirk gehörten im Jahre 1525 die Orte Höhn, Oellingen, Ailertchen, Hinterkirchen, Hölzenhausen, Püschen, Dreisbach, Neuhochstein, Hahn, Schönberg, Urdorf, Irmtraut und Winnen, sowie sämtliche Orte im Kirchspiel Willmenrod. Der in Höhn tätige Zehntgraf verwaltete teilweise auch die Gerichte in Rennerod und Rotenhain. Dies begünstigte fließende Veränderungen in der Zuständigkeit. So gehörten Rennerod 1571, Neustadt 1572 und 1578 sowie Hellenhahn, Schellenberg, Schorrenberg und Pottum ( alle 1578 ) zum Gericht in Höhn.

Wenig Erfolg war dem Gericht bezüglich der Vereinnahmung der freiwilligen Gerichtbarkeit ( vom Hubengericht ) beschert. Mehrfach bemühten sich Zehntgrafen und Schöffen in den Jahren 1537, 1546, 1559 und 1561 um eine Ausweitung ihrer Zuständigkeit.

Die Gerichte in Höhn und Rennerod ließen 1535 eigene Siegel anfertigen. Beide Siegel zeigen über den Diezer Wappen den jeweiligen Kirchenpatron. Laut Gensicke ist dem Siegelschneider bei der Herstellung des Höhner Siegels ein Fehler unterlaufen. Er verwechselte das Sinnbild des Kirchenpatrons und stellte Johannes den Täufer mit dem Kelch des Evangelisten Johannanes in der Linken dar. Ein Gipsabdruck des Höhner Siegels befindet sich in den Beständen des Museums Wiesbaden.